Resilienz – Stark in stürmischen Zeiten

Resilienz – Stark in stürmischen Zeiten

Resilienz – Stark in stürmischen Zeiten

    01.11.2021. Aktuell befinden wir uns alle in einer sehr turbulenten Zeit. Sie ist geprägt von völlig neuen Herausforderungen, ständigem Wandel und einer ungewissen Zukunft. Ängste, Stress und Sorgen sind für viele zu lästigen Begleitern des Alltags geworden, die mal mehr und mal weniger belasten. Doch manche haben sogar das Gefühl, komplett den Boden unter den Füßen zu verlieren. In dieser Situation ist es ganz wichtig, alle vorhandenen Kräfte und Ressourcen zu mobilisieren und Widerstandskraft gegen den Stress aufzubauen. Es ist wichtig, wieder innere Kraft und Stabilität zu spüren.

    Resilienz, ein Begriff aus der Physik (lat.: resilire: zurückspringen), ist hier von zentraler Bedeutung. Er bezeichnet die Fähigkeit eines physikalischen Körpers sich in seine Ursprungsform zurück zu verwandeln, nachdem er verformt worden ist. In der Psychologie beschreibt Resilienz die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen und an ihnen zu wachsen.

    Um diesen Begriff der Resilienz geht es hier. Resilienz macht uns belastbarer und lässt uns flexibler auf turbulente Zeiten reagieren. Kleine Katastrophen und selbst größere Krisen werden durch Resilienz gemeistert. Sie entsteht durch Lebenserfahrung, Reflektion und durch die intensive Auseinandersetzung mit uns und unserem Umfeld.

    Resilient sein, wenn wir den Halt verlieren

    Es gibt Zeiten, in denen nichts so läuft, wie wir es uns wünschen. Alles wird plötzlich anders. Nichts bleibt, wie es war. Durch Resilienz schaffen wir uns ein Stück Normalität. Ich muss ehrlich sagen, dass dies nicht immer gelingt – aber wir verlieren zumindest nicht bei jedem Problem komplett den Halt. Das heißt, dass wir auch aus schwierigen Zeiten etwas Positives mitnehmen können. Wir können lernen, zufriedener zu sein und uns über Kleinigkeiten oder Aufmerksamkeiten zu freuen. Das kann ein nettes Gespräch mit dem Bäcker um die Ecke sein. Oder ein besonders schön blühender Strauch im eigenen Garten.

    In meinen individuellen Resilienz-Coachings, die individuell auf die Teilnehmer ausgerichtet sind, berichten meine Teilnehmer:innen immer wieder von solchen Glücksmomenten. Durch diese sind sie wieder dankbarer und verspüren mehr Lebensmut und Lebensqualität. Drei Fallbeispiele:

    Eine zweifache Mutter und Selbstständige berichtete mir beispielsweise, dass sie nach aufreibenden Tagen viel schneller zurück ins Gleichgewicht findet. Ganz einfach, weil sie durch liebenswerte Kleinigkeiten ihre Ängste positiv beeinflussen und sich schneller motivieren kann. Dadurch schläft sie auch besser und empfindet mehr Gelassenheit. Ihre Kinder haben diese positive Veränderung bemerkt und sie darauf angesprochen …

    Ein Geschäftsmann hat mir erzählt, dass er sein Unternehmen an seine beiden Kinder als Nachfolger abgibt. Es war eine schwere Entscheidung für ihn. Er hat lange damit gehadert und musste lernen, sich zurückzunehmen und seinen Kindern die notwendigen Kompetenzen zu gewähren. Diese einschneidende Veränderung hat sein Leben umgekrempelt. Sie hat ihm aber auch die Chance gegeben, alte Kontakte wieder aufleben zu lassen und sich endlich um sich selbst zu kümmern. Inzwischen weiß er Dinge, die er zuvor in seinem Umfeld völlig übersehen hat, zu schätzen und empfindet eine tiefe Dankbarkeit für die vermeintlich kleinen, selbstverständlichen Dinge.

    Und dann ist da ein ehemaliger Obdachloser. Nachdem dieser seine äußere Sicherheit durch einen Schicksalsschlag verloren und sich auf der Straße wiedergefunden hat, hat er sich Schritt für Schritt ins Leben zurückgekämpft. Ein sehr steiniger Weg mit vielen Hindernissen. Trotz dieser schwersten Bedingungen hat er hartnäckig an sich gearbeitet, um handlungsfähig zu bleiben. Er hat seinen inneren Halt finden können. Mein Respekt vor diesem Menschen ist sehr groß.

    Er hat mir einen starken Satz mitgegeben, den ich gern mit Ihnen teile, weil er von so viel Zuversicht und Mut geprägt ist:

                 „Jeder Tag hat 24 Stunden, und die Sonne geht jeden Tag von neuem auf.“

    Ruhe spüren, wenn es stürmisch wird

    Menschen, deren Welt völlig auf den Kopf gestellt wird, fragen mich immer wieder, wie man solch ein resilientes Wohlbefinden erlangt. Eine gute Frage. Denn wie soll man innere Ruhe bewahren, wenn sich die Welt um einen herum aus den Angeln hebt?

    Aber ich kann versichern, man kann diese Ruhe entwickeln und man kann eine positive Grundstimmung aufbauen – bevor man den Boden unter den Füßen verliert.

    Aus der Hirnforschung ist bekannt, wie das funktioniert. Denn wir verändern mit unserem Leben auch unser Gehirn. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Durch gelebte Achtsamkeit, positive Gefühle, Motivation und die Konzentration auf das Positive verbessern wir unseren Geist. Positive Gedanken verändern unsere Wahrnehmung der Realität. Und unsere Reaktion darauf.

    In diesem Zusammenhang kennen Sie sicher das Bild vom halbvollen und halbleeren Glas. Wie ist das bei Ihnen? Ist Ihr Glas halbvoll oder halbleer? Endet die Nacht oder beginnt ein neuer Tag? Welchen Blickwinkel Sie wählen, wird einen großen Einfluß auf Sie haben. Sie haben die Wahl.

    Fixsterne erschaffen, wenn alles düster ist

    Jeder von uns hat besondere Eigenschaften und Stärken. Daraus machen wir unsere persönlichen Fixsterne. Sie fördern unsere Widerstandsfähigkeit und helfen uns, Stress und neue Herausforderungen im positiven Sinne bewältigen. Beispiele:

    • Motivation schafft eine Basis für unsere Resilienz. Sie führt dazu, dass wir Ziele verfolgen und Hindernisse überwinden. Ein Sparringspartner kann uns helfen, Hindernisse und Hürden im Leben zu überwinden. Und wer das schafft, wird zur Heldin oder zum Helden.
    • Mut brauchen wir, um uns gegenüber anderen durchzusetzen. Wir schützen uns durch Mut auch selbst und bringen uns Schritt für Schritt weiter auf unserem Lebensweg.
    • Großzügigkeit beweisen wir, indem wir anderen Hilfe anbieten, ohne im Gegenzug etwas zu erwarten. Das macht uns richtig stark.
    • Ruhe führt zur inneren, emotionalen Ausgeglichenheit und lässt uns klarer denken.
    • Durchhaltevermögen schärft unseren Blick für das, was wir tun können, um uns auf den Beinen zu halten.
    • Mitgefühl beruhigt unseren Körper und macht uns stärker.
    • Achtsamkeit ist wesentlich für ein gesundes Sein. Es ist dabei essentiell, in der Gegenwart zu sein, statt in die Vergangenheit oder die ferne Zukunft abzuschweifen. Achtsamkeit muss regelmäßig trainiert werden. Bei meiner Coachingmethode Waldbaden lernen Sie Achtsamkeit, um in stressigen Situationen auf diese Ressource zurückgreifen zu können.
    • Dankbarkeit schafft positive Gefühle und stärkt unser Immunsystem. Es gibt täglich viele Dinge, für die wir dankbar sein können. Beispielsweise wenn wir morgens in einem kuscheligen Bett aufwachen.       Schaffen Sie sich ein kleines Notizbuch an und schreiben Sie jeden Abend mindestens drei Dinge hinein, für die Sie am Tag dankbar sind. Führen Sie es als Ritual fort. Es ist ein kraftvoller Weg, um mehr Zufriedenheit und Wohlgefühl zu erlangen.

    Durch unser Tun und unsere Erlebnisse sammeln wir Erfahrung. Erfahrung formt unser Gehirn. Wenn die Erfahrung fester Bestandteil unseres Nervensystems geworden ist, können wir sie in eine dauerhafte Ressource verwandeln. Der römische Philosoph Marcus Aurelius hat diesen passenden Satz hierzu geprägt:

    „Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an.“

    Alles im Gepäck haben für den Lebensweg

    Jeder Lebensweg ist wie eine kleine Bergwanderung. Auf diese nehmen einige wichtige Dinge mit: zum Beispiel Verpflegung und warme, wetterfeste Bekleidung. Auch für unser Leben haben wir einiges im Rucksack: Mut, Durchhaltevermögen und Motivation.

    Wir bewegen uns achtsam auf der Bergwanderung und sind dankbar für die Aussicht. Unterwegs erleben wir weniger Angst, Frust, Irritation, Enttäuschung, Groll und Schmerz, wenn wir unsere inneren Stärken ausbauen und widerstandsfähiger werden.

    Dazu machen wir ab und zu Pause, um zu reflektieren und um uns selbst ein ehrliches Feedback zu geben.

     

     

    Als ausgebildete Resilienz-Trainerin, erfolgreiche Führungskraft und Beraterin im Gesundheitswesen arbeite ich als systemischer Coach mit den unterschiedlichsten Menschen, sei es im Life-Coaching oder in Workshops.

    Mit meiner Forest-Medicine bin ich mit Führungskräften sowie deren Mitarbeiter:innen in der Natur unterwegs, um mit Ihnen gemeinsam – in Verbindung mit Teamtrainings und Stressmanagement- ein Bewusstsein für deren psychische und physische Gesundheit zu entwickeln. Alles in allem eine kraftvolle Kombination.

     

     

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    Text: Karin Wiessmann, Quelle: Das resiliente Gehirn, Rick Hanson, Bildmaterial: Unsplash, Pixabay, lizenzfrei und Karin Wiessmann