Ein Bad im Wald – Test der Chefredaktion

Ein Bad im Wald – Test der Chefredaktion

Ein Bad im Wald – Test der Chefredaktion

    02.02.2021. Aktuelle Pressemeldung, Quelle: Bergisch Genießen, Wermelskirchen; Ausgabe 1.2021. In ihrem Beitrag “Einfach mal weg!” berichtet die Verlagsleiterin und Chefredakteuerin Anke Janke über ihre gemachten Erfahrungen beim Waldbaden im November 2020. Das Magazin hatte in der Ausgabe 6.2020 ausführlich über das Thema Waldbaden berichtet.

     

    “Waldbaden: Das war für uns zunächst reine Theorie, erarbeitet mit Karin Wiessmann, Gründerin Forest-Medicine und damit Expertin für das Bad im Wald. Das Thema selbst hat mir sehr zugesagt und ich konnte auch theoretisch vieles gut nachvollziehen, bin ich doch selbst oft in der Natur unterwegs; wandernd und mit geschärften Sinnen. Ist das nicht schon Waldbaden? Um mir auch praktisch den Unterschied zwischen Wandern und Waldbaden nahezubringen, hatte Karin Wiessmann mich zu einem Bad im Wald eingeladen. Im November war es dann soweit, der Termin war vereinbart.”

     

    Einfach mal weg!

    „Was ist, wenn es an dem Tag regnet“, war meine Frage bei der Terminvereinbarung. „Dann gehen wir natürlich auch“, war die Antwort, die ich von Karin Wiessmann erhielt. Vorsichtshalber hatte ich schon die Regensachen herausgelegt, doch das Wetterglück war mit uns und wir trafen uns in der Mittagszeit bei einem Sonne-Wolken-Gemisch und angenehmen herbstlichen Temperaturen.

    Automatisch steckte ich mein Handy ein, damit ich fotografieren könnte. „Müssen Sie das Handy mitnehmen oder können Sie es hierlassen“, fragte meine Begleiterin. Fotos könne sie für mich machen. Also entschied ich mich, das Handy im Auto zu lassen. Erreichbar wollte ich jetzt sowieso nicht sein.

    Ausgewählt hatte sie ein Waldstück an der Dhünn, ein ruhiger Ort, an dem wir nur wenige Menschen trafen. Nach ein paar Schritten, die wir in den Wald hineingegangen waren, etwas abseits des Weges, wurde ich aufgefordert zunächst, gemeinsam mit Karin Wiessmann, ein paar Übungen zu machen zum Dehnen und Aufwärmen.

    Es waren einfache Übungen, kleine Bewegungen, durch die das tiefe Durchatmen schon viel besser gelang. Nach einer kurzen Erklärung, wie es in den kommenden zweieinhalb Stunden weitergehen würde, gingen wir los auf einem schmalen Pfad durch den Wald, mitten durch das raschelnde Laub. „Sie gehen viel zu schnell“, hörte ich schon bald von meiner Waldexpertin. Dabei hatte ich das Gefühl, sehr langsam zu gehen. Aber weit gefehlt. Wir übten, besser gesagt, ich übte, einen Fuß ganz bewusst vor den anderen zu setzen, von der Ferse bis zur Fußspitze abzurollen und dabei zu dehnen.

    Hochkonzentriert war ich bei der Sache und wurde immer langsamer. An einer sonnigen Stelle blieben wir stehen, um die Sonne und das Licht zu genießen. An einer anderen Stelle verweilten wir, um das bewusste Atmen zu üben oder um es uns an einem Baum gemütlich zu machen, um die Atmosphäre aufzunehmen.

    Wieder an anderem Ort galt es, den Gedanken freien Lauf zu lassen, ohne sie festhalten oder wegschicken zu wollen. Das gelang erstaunlich gut, denn ich war schnell so entspannt, dass ich an nichts anderes, als an die Situation in der wir gerade waren, dachte. Das Plätschern der Dhünn begleitete uns auf unserem Weg und ich nahm gerade das besonders intensiv wahr.

    Auf Vieles machte Karin Wiessmann mich aufmerksam, auf das leuchtend grüne Moos, die Pilze an einem Baum und sie forderte mich auf, einfach einmal etwas anzufassen, um auch diese Sinne zu stärken. Ansonsten gingen wir langsam und ruhig, ohne Gespräche, unseren Weg. Zwischendurch wurden kleine Übungen gemacht, die Konzentration erforderten und ich konnte die Ruhe, die Luft, die Düfte und vieles mehr genießen – völlig entschleunigt.

    Die Ruhe des Waldes ist erfüllt von Geräuschen: Dem Rascheln der Blätter, dem Gluckern des Baches, dem Wind in den Bäumen oder dem Ruf eines Vogels.

    Nach gut anderthalb Stunden, die einfach so verflogen waren, ohne dass ich darauf geachtet hatte, setzten wir uns auf einen umgestürzten Baum, tranken einen warmen Tee und schwiegen einvernehmlich.

    Erst als ich unsere Autos auf dem ansonsten verlassenen Parkplatz sah, kam ich zurück ins Hier und Jetzt und wir begannen auf den letzten Metern ein ruhiges Gespräch.

    „Wir waren jetzt zweieinhalb Stunden unterwegs und haben diese Zeit gebraucht für einen Weg, für den wir in normalem Tempo höchstens eine halbe Stunde gebraucht hätten“, erklärte Karin Wiessmann.

    Entspannung und Erholung

    Ich habe über nichts anderes nachgedacht als über unseren Weg, habe mich konzentriert auf die Übungen und den Wald mit allen Sinnen aufgenommen. In den vergangenen zweieinhalb Stunden war ich einfach mal weg, raus aus dem Alltag und weg von allen Gedanken an die Arbeit, die auf mich wartet. Ich fühlte mich entspannt und war „schön“ müde, so als hätte ich eine lange Wanderung gemacht. Danach bin ich nicht mehr arbeiten gegangen, sondern fuhr nach Hause, um dieses wunderbare Gefühl noch ein wenig für mich zu bewahren.

    Damit ich langfristig etwas von dieser entspannten und erholsamen Zeit habe, sollte ich das Waldbaden regelmäßig in meinen Alltag einbauen. Nur durch stetige Übung wirkt dieses Bad im Wald nachhaltig auf Körper und Geist. Das erklärt mir Karin Wiessmann, die selbst ihre Auszeiten regelmäßig in den Alltag einbaut. Ob es mir gelingt, werden wir sehen. Es war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und ich kenne nun den Unterschied zwischen unseren Wanderungen und dem Bad im Wald.

    Text: Anke Janke, Verlags- und Agenturleitung, Chefredaktion Agentur Janke

     

    Hier finden Sie den vollständigen Artikel aus dem Magazin BERGISCH GENIEßEN zum Download:

    Presse Bergisch Genießen Ausgabe 01.21_Seite 18

    Presse Bergisch Genießen Ausgabe 01.21_Seite 19

    Vorschaubild: shutterstock